Vorwort zu Reiseroman

Der Texter ist zwar Werbetexter, aber ab und an darf es auch literarisch werden. Wenn es zum Beispiel um Vorworte geht. Oder Reden. Oder wenn einfach die Sprache etwas überraschender und offener sein soll und darf.

Vorwort

von Peter Lünstroth 

Ohne Filter, ohne Theorieballast, ohne Verklärung, ohne Missmut. Was Jörg Isenberg hier geschrieben hat, kann man am besten durch das Fehlen aller Faktoren kennzeichnen, die den Blick zu einem Blick“winkel“ verengen könnten.

Im Gegensatz zu den vielen interpretationslastigen Beschreibungen des klassischen Hippie-Trails der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts ist dieser Reisebericht nicht nur im Jahr der Reise selbst niedergeschrieben worden, sondern auch von einem damals 19-jährigen, der weder von soziologischen noch politischen oder geographischen Erklärungszwängen getrieben wurde.

Dieses Stück reinen Erlebens ist darum ein Zeitzeugnis in gleich mehrfacher Hinsicht. Wenn Diebe mit Busfahrern Abkommen zur Plünderung der Hippie-Ausrüstung auf Überlandbussen treffen, kann man dies sicherlich mit Verweis auf deren Sozialisation oder die gegebenen Umstände erklären und für nicht überraschend halten. Man kann aber auch die Reise voller Zuversicht fortsetzen mit einem lapidaren „Sind ja nur Klamotten drin gewesen.“

Diese Zuversicht und Freude auf das, was am nächsten Tag passiert, kennzeichnet nicht nur die damalige Epoche und die Überzeugungen der Hippie-Generation auch noch in dieser Spätphase, sondern auch die Neugierigen, die sich aus vielen westlichen Teilen der Welt aufmachten, um Alternativen zu den Vorstellungen ihrer Eltern in ihrem Geburtsland zu finden und zu entdecken.

Für jüngere Generationen, wie etwa die Kinder dieser Pioniere der Welt- und Selbstentdeckung, wird ein Buch wie dieses vieles erklären, was sie bislang an den Einstellungen und Handlungen ihrer Eltern nicht verstanden haben. Die Neugier auf das Fremde, die Lässigkeit im Umgang mit anderem, ideologisch, spirituell und strukturell eher fremdem Gedankengut und die alles überbordende Toleranz.

Ja, dieses Buch ist ein Statement eines lange vergessenen Aufbruchs. Scha- de, dass von der Euphorie des Drangs zur Alternative in den letzten 40 Jahren so vieles auf der Strecke geblieben ist.

Jörgs Zeitgenossen rufe ich zu: Der Weg war gut; danke für die Pfade!

Den Jüngeren rate ich: Versucht die Gänge dieser Gedanken nachzugehen. Es macht den Blick weit – verstehe Deine Väter.


Bielefeld: Texter

Sollte jemand Interesse an diesem authentischen Zeit-Dokument zum Hippie-Trail haben, bitte sehr:
Hier ist der Download-Link.

(Es ist kostenfrei.)

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